Laufende Projekte


Arrangierte Ehen in Deutschland
Forschungsprojekt Start WS 2006/2007

Es gibt keine wissenschaftlichen Studien zu Arrangierten Ehen in Deutschland, welche unterschiedliche kulturelle, ethnische und religiöse Hintergründe berücksichtigen. Dennoch ist das Thema gesellschaftspolitisch und für sozialpädagogische Einrichtungen im Migrationsbereich von großer Bedeutung. Die Studie will diese Forschungslücke schließen und einen ersten Einblick in die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Folgen geben.

Details

Projektbeschreibung

In Deutschland sind vor allem Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund von Zwangsehen betroffen. Aktuell rückte der Fall der Berlinerin Hatin Sürücü die Begriffe "Ehrenmord" und "Zwangsehe" in das Rampenlicht der Medien und der politischen Diskussion. Die Türkin, die das Opfer eines "Ehrenmords" wurde, beendete ihre Zwangsehe mit 17 Jahren und beschmutzte damit die Ehre der Familie. Personen, die sich weigern, eine Zwangsheirat einzugehen, oder sich aus einer Zwangsheirat lösen, sind in vielen Fällen der physischen oder psychischen Gewalt von Familienmitgliedern ausgesetzt. Auch in Trier wurde von ansässigen Praktikern und Migrationsexperten im Kontext von Tagungen und Vorträgen ein Bedarf nach wissenschaftlichen Daten formuliert, da sie in ihrer Arbeit mit Einzelfällen konfrontiert sind und ihnen Informationen zur gesellschaftlichen Verortung fehlen.

Erste Berichte von Arrangierten Ehen in Deutschland finden sich schon 1978 (vgl. Baumgartner-Karabak, Landesberger 1978), dennoch hat die Migrationsforschung das Thema bisher weitestgehend gemieden. Die meisten Veröffentlichungen sind Biographien betroffener Frauen (vgl. Ates 2003; Eder 2005; Nasrin 2000; Makampe, Krebs 2002; Hirsi Ali 2005; Amara, Zappi 2005; Kelek 2005; Gashi, Rizvi 2005; Bläser 2005; Cileli 2006; Kalkan, Hilliges 2005). Detaillierte Studien und genaue Zahlen über Ausmaß, Kontext und Folgen von Zwangsehen stehen weiterhin aus. Eine Umfrage in sozialen Einrichtungen im Jugendhilfe- und Migrationsbereich in Berlin und Stuttgart (vgl. Terre des femmes 2002) und eine Studie des Bundes-ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über die Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland (vgl. BMFSFJ 2004) zeigen jedoch, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt.

Arrangierte Ehen treten in unterschiedlichen Konstellationen auf. Terre des femmes unterscheidet vier typische Formen (vgl. Terre des femmes 2002):

  1. Arrangierte Ehen zwischen Deutschen mit Migrationshintergrund oder MigrantInnen in Deutschland
  2. Heiratsverschleppung ins Ausland, z.B. beim Sommerurlaub: In Deutschland aufgewachsene Mädchen und junge Frauen werden gezwungen, einen Mann im Herkunftsland der Familie zu heiraten und fortan dort zu leben.
  3. Verheiratung für ein Einwanderungsticket: Ein ausländischer Mann erhält dabei über eine Eheschließung eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland.
  4. Importehen: Zumeist sehr junge ausländische Frauen werden nach Deutschland geholt, um einen hier lebenden Mann zu heiraten.

Im Kontext der Zwangsehe ist das öffentliche und politische Augenmerk zum einen auf Frauen und zum anderen auf den Islam gerichtet (vgl. BMFSFJ 2004). Toprak (2005) untersucht Zwangsehen aus der Sicht von türkischen Männern der zweiten und dritten Generation, die in Deutschland geboren oder aufgewachsen sind, aber ihre Ehefrauen bewusst in der Türkei aussuchen. Er berichtet ihre Einstellungen zu Zwangsehen, Familiengründung, innerfamiliärer Kommunikation, Sexualität, Gewalt in der Ehe sowie sexueller Gewalt in Form von Vergewaltigungen. Dabei wird die Verankerung der Institution "Zwangsehe" in der türkisch-islamischen Tradition deutlich. Zudem macht die Studie darauf aufmerksam, dass auch Männer von Zwangsverheiratungen betroffen sind. In der türkisch-islamischen Community wird das Thema stark tabuisiert, warum sich allerdings die Migrationsforschung bisher wenig mit dem Bereich befasst hat, bleibt unklar. Wir beabsichtigen, diese Forschungslücke zu schließen und damit neue Schwerpunkte für die Migrationsforschung an der Universität Trier zu entwi-ckeln. Dabei werden wir uns nicht auf türkische Frauen konzentrieren, sondern zudem betroffene Männer und - soweit möglich - die Familienmitglieder befragen. Ferner werden arrangierte Ehen in der Region Trier auch von Aussiedlern berichtet, weshalb eine Ausweitung der Untersuchung auf andere Religions- und ethnische Gruppen geboten ist.

Ziel der Studie ist es, in Ergänzung zu den autobiographischen Berichten wissenschaftlich zu analysieren, welche sozialen Implikationen für eine Zwangsverheiratung entscheidend sind und welche individuellen und gesellschaftlichen Folgewirkungen diese Art der Ehe hat. Diese Forschung kann aufgrund der unbekannten Grundgesamtheit, der Sensibilität des Themas, des erschwerten Zugangs zum Forschungsfeld und der fehlenden Vorstudien nur explorativ und mit Hilfe eines qualitativen Forschungsdesigns erfolgen.

Die Studie wird folgende Aspekte berücksichtigen:
  • Geschlecht
  • Tradition
  • Religion
  • Familienstruktur
  • Auswirkungen auf den Alltag
  • psychische Effekte



Netzwerkprojekt

In Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Trier, dem Jugendmigrationsdienst der Caritas und der AIDS-Hilfe Trier e. V initiierte der Arbeitskreis Migration und Segregation das nachfolgende Projekt, um die die Migrationsarbeit im Raum Trier besser zu vernetzen.

Ziel dieser Initiative ist es, verschiedene Organisationen, die sich mit der Thematik „Migration und Integration“ beschäftigen, an einen Tisch zu bringen, um so den migrantischen, sozialpädagogischen und politischen Erfahrungsaustausch zwischen den Institutionen zu ermöglichen.

Es soll also eine Art Plattform entstehen, auf der MitarbeiterInnen der Einrichtungen aus den Bereichen Politik, Bildung etc., WissenschaftlerInnen und MigrantenInnen Probleme, Wünsche und Verbesserungsvorschläge miteinander diskutieren können, um langfristig gemeinsam ein tragfähiges Konzept für den Raum Trier zu entwickeln.

Ferner soll auch die Transparenz über die vielfältigen Angebote der Integrationsarbeit erhöht werden, um Kooperation zu erleichtern.

Link zum TV Artikel (PDF)


Dokumentation bisheriger Projekte / Archiv


Parallelgesellschaften in Deutschland - Realität oder Fiktion?
Veranstaltungsreihe vom 11.01. bis 05.02.2006

Die Veranstaltungsreihe widmete sich einigen Aspekten, auf welche sich die Debatte um Parallelgesellschaften bezieht, und nahm diese einzeln unter die Lupe. Dabei kamen Migrant/innen, Wissenschaftler/innen, Künstler/innen, Verwaltungsbeamte und politische Gruppen in Vorträgen und Diskussionen zu Wort.

"Importbräute in Deutschland, Realität und Alltag in der BRD - Recht- und ratlos?" Seyran Ates, Vortrag mit Diskussion,
vhs Trier, 11.01.06

Material: Bericht - Presse - Fotos


"Ansichtssache - Wie Meinung die Wahrnehmungen prägt"
Antje Rieken, Fotoausstellung, Rathaus Trier, 12.01.06 - 05.02.06

Material: Bericht - Presse - Fotos - Exponate


"Alltagssituation türkischstämmiger Migranten" Dr. Dirk Halm, Vortrag mit Diskussion, Universität Trier, 18.01.06

Material: Bericht - Presse - Fotos - Vortrag


"Lola und Bilidikid" Filmvorführung, Broadway-Kino Trier, 20.01.06

Material: Bericht


"Bildung und soziale Ungleichheit von Migrantenkindern" Prof. Dr. Rainer Geißler, Vortrag mit Diskussion, Universität Trier, 25.01.06

Material: Bericht - Presse - Fotos


"Ist die Integration von Migranten gescheitert?" Ina-Beate Fohlmeister, Dietmar Martini-Emden, Roland Röder, Podiumsdiskussion, vhs Trier, 02.02.06

Material: Bericht - Presse - Fotos



Förderer und Kooperationspartner: Aktion 3. Welt Saar, Arbeitsgemeinschaft Frieden, AStA der Universität Trier, Astarosa Universität Trier, Ausländerbeirat Trier, Freundeskreis Trierer Universität e.V., GEW Trier, Giordano-Bruno- Stiftung, Internationales Zentrum C.i.T.i., Jenny Marx Gesellschaft für politische Bildung, Kulturbüro der Stadt Trier, Kulturwerkstatt Trier, Landesbeauftragte für Ausländerfragen Rheinland-Pfalz, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Lokale Agenda 21, Multi-Kulturelles Zentrum Trier, Netzwerk Selbsthilfe Saar e.V., Rosa Luxemburg Stiftung, Schmit-z, vhs Trier

Aktuelles

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